Barbara Wälchli

Porträt Nr. 11: Mitglied und Künstlerin, Barbara Wälchli Keller
Barbara Wälchli

Interview

Barbara Wälchli ist schon sehr lange Mitglied in der reformierten Kirchgemeinde Arth-Goldau und hat sich über viele Jahre vielseitig engagiert. Bevor sie mit ihrer Familie nach Steinerberg zog, hat sie 1981 in der Kirche in Oberarth geheiratet, später ist auch ihr zweites Kind dort getauft worden. Mit der damaligen Pfarrfamilie Weber verbindet sie bis heute eine enge Freundschaft. Zusammen mit anderen Frauen der Kirchgemeinde hat Barbara Wälchli das Kinderteam aufgebaut, das die Sonntagsschule abgelöst hat und noch bis heute Bestand hat. Später hat sie in Luzern die Ausbildung zur Katechetin gemacht und bis 1999 als Lehrerin im reformierten Religionsunterricht mitgearbeitet. Nebenbei hat sich Barbara Wälchli auch im Kirchgemeinderat eingebracht und weiss noch so manche lustige Anekdote aus dieser Zeit zu erzählen. Weniger gefallen hat es ihr hingegen in der Synode, denn enttäuscht musste sie feststellen, dass es bei den Diskussionen meist nur ums Geld ging. Barbara hingegen interessierte sich nicht für Zahlen, sondern für Inhalte und Menschen. In besonderer Erinnerung sind ihr daher auch Anlässe geblieben, die zu Begegnungen zwischen Menschen geführt haben wie z.B. das Pfingstfeuer und das Morgengebet.

Weil Barbara Wälchli als Künstlerin stark engagiert ist, weil sie sich zudem während 16 Jahren in einem karitativen Projekt zur Textilausbildung in Myanmar in Südostasien für benachteiligte Menschen eingesetzt hat und weil sie zudem oft viel Zeit in ihrem zweiten Zuhause in Amsteg verbringt, ist sie ihrer Kirchgemeinde nicht mehr so nahe wie früher. Trotzdem hat sie nicht gezögert und sofort zugesagt, als sie von der Kirchgemeinde angefragt worden ist, ob sie zum 125. Geburtstag der Kirche eine neue Altardecke gestalten möchte.

Bereits zweimal hatte Barbara Wälchli eine Decke für den Altar in Oberarth gewoben. Ihr war sogleich klar, dass sie diese dritte Decke nicht weben, sondern sticken wollte. Denn Sticken, so weiss die Textilkünstlerin zu erzählen, lässt viel Gestaltungsfreiheit, Ideen können spontan entstehen und umgesetzt werden und das Kunstwerk wächst immer weiter. Ausgegangen ist Barbara Wälchli von der Idee, den Sonnengesang von Franz von Assisi künstlerisch zu verewigen. Aus einem schnellen Entwurf ist so nach und nach ein Kunstwerk entstanden, das die Betrachtenden fesselt und durch tausende kleine Details zum Staunen einlädt. Bei einem Besuch in der reformierten Kirche in Oberarth lohnt es sich also, vor oder nach dem Gottesdienst einen genauen Blick auf die wunderbare Altardecke zu werfen.

Den Auftrag hat Barbara Wälchli mit viel Herzblut ausgeführt, denn der Aufwand war gigantisch und ihre Aufgabe daher alles Andere als lukrativ. Und wieder zeigte sich, dass es Barbara nicht ums Geld, sondern um die Begegnungen zwischen den Menschen geht. Da das Kunstwerk bis zur Geburtstagsfeier im November 2025 fertig sein sollte, stand die Künstlerin unter grossem Zeitdruck. Auf keinen Fall wollte sie Abstriche bei der Gestaltung machen, musste aber zugleich auch einsehen, dass es nicht realistisch war, dieses Projekt im Alleigang rechtzeitig fertigstellen zu können. Aus ihrer Not heraus hat sie die Frauen, die bei ihr das Stickhandwerk lernen, dazu eingeladen, bei der Altardecke mitzusticken. 24 davon sind der Einladung gefolgt und haben tatkräftig mitgeholfen, damit das Kunstwerk rechtzeitig zur Einweihung fertig war. Für Barbara Wälchli war das eine ganz neue Erfahrung. Es hat sie tief berührt, dass so viele sich ohne Entgelt so eingesetzt haben und es hat sie gefreut, zu sehen, wie sich die Stickerinnen beim Arbeiten an der Decke nahegekommen sind, wie Begegnungen zu neuen Freundschaften geführt haben.

Nach der «Freude am Machen» kommt die «Freude am Vollbrachten», wenn die Künstlerin sieht, dass es gut ist. Und schon kommen ihr wieder neue Ideen, fliegen neue Projekte ihr zu. Sie möchte über die Entstehung der Altardecke ein Bilderbuch machen. Ein Buch, in dem es nicht allein ums Kunstwerk geht, sondern um den Weg dahin. Ein Buch, in dem die beteiligten Stickerinnen von ihren Erfahrungen berichten. Ein Buch, das davon erzählt, wie viele Hände gemeinsam zum grossen Gesamtwerk beitragen.

Kurzantworten

Welches Buch liest du zurzeit?
Das Buch «Wie Farben wirken».

Wohin reist du in die Ferien?
An den Atlantik.

Was macht dich glücklich?
Frühmorgens mit dem Hund in der Natur unterwegs sein.

Wunsch

Ich wünsche mir, dass die grosse Libanon-Zeder vor der reformierten Kirche in Oberarth noch möglichst lange stehenbleiben kann.

Altardecke

03.11.2026
7 Bilder
Sonnengesang (Foto: Barbara Wälchli)
Sonnengesang (Barbara Wälchli)
Sonnengesang (Foto: Barbara Wälchli)
Sonnengesang (Barbara Wälchli)
Sonnengesang (Foto: Barbara Wälchli)
Sonnengesang (Barbara Wälchli)
Sonnengesang (Foto: Barbara Wälchli)
Sonnengesang (Barbara Wälchli)
5 (Foto: Barbara Wälchli)
5 (Barbara Wälchli)
6 (Foto: Barbara Wälchli)
6 (Barbara Wälchli)
Helferinnen (Foto: Barbara Wälchli)
Helferinnen (Barbara Wälchli)
Fotograf/-in: Barbara Wälchli