Urs Heiniger

Am 1. Oktober 1997, hat Pfarrer Urs Heiniger seine Arbeit in der reformierten Gemeinde Arth-Goldau begonnen und in der Innerschweiz ein neues Zuhause gefunden. Nach 27 Jahren wurde er am 30. Juni 2024 pensioniert.
Urs Heiniger

Interview

In Jona SG aufgewachsen, hat er nach der Ausbildung zuerst in Wildhaus und dann in Winterthur als Pfarrer gearbeitet. An der Stelle in Arth-Goldau haben ihn die ländliche Lage und die einfachen Leute gereizt. Urs hat schon lange davon geträumt, in der Diaspora zu wirken und er fühlte sich wohler im bodenständigen Eisenbahnerdorf als in der grossen Stadt, wo Dünkel und Geld zählten. Noch heute wird er von vielen als «Volkspfarrer» wahrgenommen, eine Bezeichnung, die Urs nicht stört, sondern die zu ihm passt und ihn freut.
Anfänglich wollte Urs nicht Pfarrer, sondern Sekundarlehrer für naturwissenschaftliche Fächer werden. Dass es anders gekommen ist, hatte seinen Ursprung in einem kursierenden Gerücht. Innert einem Halbjahr wurde Urs immer wieder von verschiedensten Leuten darauf angesprochen, ob er denn jetzt vorhabe, sich zum Pfarrer ausbilden zu lassen. Als sogar der Pfarrer persönlich meinte: «Urs, du wärst doch einer, der Pfarrer werden könnte», liess sich der junge Maturand schliesslich überzeugen, was er bis heute nicht bereut hat.
An seinem Beruf gefällt Urs, dass er mit Menschen jeden Alters zu tun hat. Er bezeichnet sich selbst als geselligen und menschennahen Pfarrer, Eigenschaften, die seine Predigten wie auch seine Arbeit insgesamt wesentlich prägen. Besonders herausfordernd findet Urs im Pfarrberuf, dass viele Anlässe gleichzeitig vorbereitet werden müssen und die Vielzahl an Aufgaben es oft nicht zulässt, sich in etwas zu vertiefen. Einen «normalen Arbeitsalltag» gibt es für ihn nicht. Er arbeitet unregelmässig und oft auch am Abend, was ihm als «Nachtmenschen» jedoch keine Mühe macht.
Schnell kann aus einer vermeintlich ruhigen Woche ein gefüllter Terminkalender entwachsen. Im Vergleich zu früher hat mit der Digitalisierung auch eine Bürokratisierung eingesetzt, die zusätzlichen Aufwand mit sich bringt. Doch im Wesentlichen hat sich die Arbeit des Pfarrers dem Empfinden von Urs nach nicht verändert. Im Zentrum steht nach wie vor der Kontakt zu den Menschen, für die er als Pfarrer da ist. Dabei erachtet es Urs als grossen Vorteil, dass er als Pfarrer im Dorf lebt und somit Teil davon ist. Das erleichtert ihm den persönlichen Zugang zu den Mitgliedern seiner Kirchgemeinde.
Diesen persönlichen Zugang zu den Menschen zu finden, ist Urs bei seiner Arbeit wichtig. Daher überrascht es nicht, dass er an Anlässen, die ein offenes Ende haben, die zum Verweilen einladen und welche die Leute einander näherbringen, besondere Freude hat. Oder um es in seinen eigenen Worten zu sagen: «Wenn Kirche nicht nur stillsitzen bedeutet, sondern eine gesellige Gemeinschaft daraus entsteht», so wie es bspw. bei der Openair-Kirche, im Konf-Lager, bei Familiengottesdiensten oder an Erwachsenenbildungsabenden der Fall ist.
Keine zwei Jahre bleiben Urs noch, dann wird er pensioniert. Er freut sich darauf, einmal nichts zu tun und zu schauen, was sich daraus ergibt. Dass er sich langweilen könnte, davor hat Urs keine Angst. Er ist sicher, dass seine vielfältigen Interessen ihm dabei helfen werden, «sich im neuen Lebensabschnitt neu zu erfinden». Bis es so weit ist, geniesst er seine Arbeit als Pfarrer wie bisher und hofft auf ein grosses Abschiedsfest, bei dem es vor allem Platz hat für das, was ihm immer am wichtigsten war – nämlich für Begegnungen.

Kurzfragen

Welches Buch liest du zurzeit?
«Wegwerfgeschichten» von Franz Hohler.

Was macht dich traurig und wütend?
Wenn Menschen übereinander herziehen.

Welche Geschichte aus der Bibel beeindruckt dich?
Der Text über Jakobs Traum, Gen. 28,10ff

Wunsch

Wunschlos glücklich zu sein.