Sommerausflug ü60 - 24. Juni 2026
Vom Doppelstockbus bis zur Altstadt: Kaiserstuhl trotz Hitze ein Genuss
Peter Rytz,
Schon am Morgen lag ein Hauch von Hochsommer in der Luft, als wir in den Doppelstockbus stiegen. Die Sonne brannte bereits kräftig, doch die Klimaanlage arbeitete zuverlässig und wurde zur stillen Heldin dieses Tages. Unsere Pfarrerin Carina Meier begrüsste uns herzlich und erzählte, wie sehr sie sich freue, uns jenes Städtchen zu zeigen, in dem sie seit Jahren ein kleines Pensum als Pfarrerin versieht: Kaiserstuhl, ein historisches Juwel am Hochrhein.
Über Hochdorf erreichten wir das Restaurant Delphin am Hallwilersee, wo Kaffee und Gipfeli auf uns warteten – grosszügig offeriert von Gian Reto Meisser, der an diesem Tag Geburtstag hatte. Ein fröhlicher Moment, der die gute Stimmung noch steigerte.
Weiter ging die Fahrt über Bad Zurzach nach Kaiserstuhl. Die Stadt ist ein lebendiges Postkartenmotiv aus dem Mittelalter und flächenmässig die kleinste Stadt der Schweiz. Das gesamte Städtchen schmiegt sich in perfekter Dreiecksform an den Hang über dem Rhein, als hätte ein Festungsbaumeister die Kulisse für einen historischen Film entworfen.
Auf engstem Raum stehen dicht gedrängt jahrhundertealte, denkmalgeschützte Häuserzeilen, die den Charme vergangener Epochen verströmen. Über allem erhebt sich der steinerne Riese, der Obere Turm. Seit dem 13. Jahrhundert steht er wie ein Wächter über der Stadt, trotzt Wind und Wetter und blickt weit über den Rhein.
Im Garten des Restaurants Kreuz wurde uns ein feines Mittagessen unter alten Kastanienbäumen serviert – ein Ort, an dem man die Hitze für einen Moment vergass und einfach nur genoss.
Nach dem Essen übernahm Claudia Meierhofer, unsere lokale Führerin, das Wort. Mit Humor, Wissen und spürbarer Verbundenheit zu ihrem Wohnort führte sie uns auf unterhaltsame Weise in die Geschichte Kaiserstuhls ein. Woher der Name Kaiserstuhl stammt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
Aufgrund der Hitze konnten die Teilnehmenden wählen, ob sie im Schatten bleiben oder mit zum Oberen Turm kommen wollten. Wer sich für den Turm entschied, wurde mit dicken Mauern, kühler Luft und einem Raum voller Geschichten belohnt.
Im Inneren erzählte Claudia Meierhofer von Johannes Nepomuk, dem Brückenheiligen, der durch Schweigen Ruhm erlangte. Daneben stand die Feuerspritze von 1851 – ein beeindruckendes Relikt aus einer Zeit, in der Brände eine ständige Bedrohung darstellten.
Anschliessend wurde die Gruppe aufgeteilt. Ein Teil blieb bei Claudia, der andere Teil ging mit mir auf Entdeckungstour durch die Altstadt.
Wir gingen hinunter zum Spittel, dem jahrhundertealten sozialen Herz von Kaiserstuhl. Gegenüber befindet sich die Stadtkirche St. Katharina, deren barocker Innenraum mit meisterhaften Deckengemälden und wertvoller Ausstattung beeindruckt. Nur wenige Schritte trennen den Kirchplatz vom Rhein. Vom südlichen Brückenkopf aus hat man einen freien Blick auf das Wasser und die majestätische Burg Röteln auf der gegenüberliegenden Seite.
Vorbei am herrschaftlichen Renaissancebau des Amtshauses St. Blasien ging es die Hauptgasse hinauf – ein Spaziergang wie eine Zeitreise, der die Besucher staunen lässt.
Im Bus angekommen, warteten kühles Mineralwasser und Traubenzucker auf uns. Nach der Hitze des Tages waren sie eine Wohltat. Über Baden und Mellingen fuhren wir zurück nach Goldau – erfüllt von Geschichten, Begegnungen und einem Tag, der noch lange nachklingen wird.