Karfreitag: Geschichten, die tragen – Liebe, die bleibt

Karfreitag26_Ti (Foto: PR)



Im Zentrum des Gottesdienstes stand die Erzählung vom Leiden und Sterben Jesu. Unsere Pfarrerin Carina Meier führte uns auf den Hügel Golgatha, dorthin, wo Jesus zwischen zwei Verbrechern ans Kreuz geschlagen wird. Sie beschrieb die Menge, die weint, spottet, schweigt – und dann dieser eine, unfassbare Satz Jesus:
„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Peter Rytz,
Dann zeigte sie uns ihr Lieblingsbild von Marc Chagall: die „Weiße Kreuzigung“. Entstanden 1938, im Jahr der Reichspogromnacht. Ein Christus, der nicht fern ist, sondern mitten im Leid seines jüdischen Volkes hängt. Häuser brennen, Menschen fliehen, Synagogen werden zerstört – und über allem der Gekreuzigte, der nicht wegschaut.
Carina erzählte, was sie an diesem Bild so tief berührt: dass Christus nicht nur für die Welt leidet, sondern mit ihr. Dass er dort steht, wo Menschen zerbrechen. Dass er nicht triumphiert, sondern solidarisch ist.

Besonders eindrücklich war die Begegnung mit Denise Uwimana. Sie ist Überlebende des Genozids an den Tutsis im Jahr 1994 und schrieb:
„Für uns in Ruanda ist die Kreuzigung so wichtig, weil wir wissen, was Gewalt, Verlust und Leid bedeuten. Wir sehen im gekreuzigten Jesus keinen fernen Beobachter, sondern jemanden, der mitten in der Gewalt steht und sie selbst erträgt.“

Die Reise führte weiter zu Dietrich Bonhoeffer, dem Theologen, der 1945 im Konzentrationslager hingerichtet wurde. Seine Worte aus der Todeszelle – „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ – klangen wie ein Echo des Karfreitags: Hoffnung, die nicht naiv ist, sondern durch das Dunkel hindurch trägt.

Umrahmt wurde der Gottesdienst von der warmen, tragenden Orgelmusik von Peter Fröhlich und den klaren, hellen Flötentönen von Bernadette Rohrer. Ihre Musik war wie ein Atemzug zwischen den Bildern und Worten – ein Klang, der tröstet, ohne zu beschönigen.

Dieser Karfreitag war ein Gottesdienst, der in Erinnerung bleibt. Er war eine Reise durch Leid, Geschichte und Hoffnung. Eine Einladung, die Welt mit offenen Augen zu sehen – und mit einem offenen Herzen. Eine Erinnerung daran, dass Gott nicht fern ist, sondern mitten im Dunkel steht.

Und vielleicht war es genau das, was viele von uns an diesem Tag mit nach Hause nahmen: Die Gewissheit, dass selbst im tiefsten Schmerz ein Funken Licht bleibt.
Bereitgestellt: 05.04.2026     Besuche: 33 Monat
aktualisiert mit kirchenweb.ch             Datenschutz