Es war einmal … ein märchenhafter Nachmittag

DSC_4809 (2) (Foto: Ruedi Gantenbein)

Am Mittwoch 6. April findet im Kirchgemeindehaus der reformierten Kirche Arth-Goldau ein geselliger Nachmittag für die Über-60-Jährigen statt. Zur Unterhaltung der Gäste erzählt Berna Weber – langjährige Spielgruppenleiterin, mehrfache Bilderbuchautorin und passionierte Märchenerzählerin aus Arth – Märchen für Erwachsene von nah und fern. Sie wird begleitet von ihrem Mann Sidi Weber – engagiertem Revierförster von Arth, Küssnacht und Gersau und begnadetem Handorgelspieler.
Dominique Schmid,
Zwei Dutzend sind der Einladung zum ü60-Anlass gefolgt und werden von Pfarrer Urs Heiniger und der Organisatorin Lidia Dürrenmatt herzlich begrüsst. Der Frühling lacht zum Fenster hinein, er lacht den Anwesenden aber auch von den Tischen aus zu. Das Bewirtungsteam hat den Raum liebevoll und farbenfroh mit bunten Ostereiern und farbigen Tulpen dekoriert. Alles wirkt hell, freundlich und einladend.

Lidia Dürrenmatt kündet an, dass der Nachmittag Verschiedenes bereithält: den Auftakt machen Berna Weber mit Märchen und Sidi Weber mit seinem Handorgelspiel. Danach kommt ein «Kreativ-Teil», bei dem die Teilnehmenden selbst aktiv werden können, gefolgt von einem gemütlichen Zvieri. Den Abschluss machen wiederum die Webers.

Dass Märchen Kinderkram sind, muss nicht sein. Berna Weber erreicht als Märchenerzählerin auch ihr erwachsenes Publikum. Die erzählten Märchen sollen lustig sein und unterhalten, aber auch etwas «Weisheit» in sich tragen, welche die Zuhörerinnen und Zuhörer mit nachhause nehmen können. Dies gelingt Berna Weber ausgezeichnet. Sie erzählt lebhaft, Mimik und Gestik sind ausdrucksstark und sie nimmt ihr Publikum, das gespannt zuhört, auf eine Reise ins Reich der Märchen mit. Sie erzählt vom Sultan aus dem fernen Orient, der alles hat und nun auch noch die Weisheit in einem goldenen Buch besitzen will. Sie erzählt von einem cleveren Dieb, dem es gelingt, die Freiheit zu erlangen, indem er dem König und seinem Hofstaat die eigenen Verfehlungen vor Augen führt. Sie erzählt von Hans Chueschwanz aus dem Berner Oberland, der seinen Träumen folgt und so nach einem Abstecher nach Thun das Glück in Form eines Kruges voll Gold überraschend im eigenen Daheim findet. Und sie erzählt das unbekannte Grimm-Märchen vom Menschen, der als einziger nicht zufrieden ist mit den ihm zugeteilten Lebensjahren und der deshalb zusätzlich auch noch die Zeit von Esel, Hund und Affe geschenkt kriegt – ein Geschenk, das wohl nicht ganz so ist, wie er es sich vorgestellt hat.

Vor und nach jedem Märchen gibt Sidi Weber auf der Handorgel ein Ständchen zum Besten. Die Klänge sind beschwingt, es zieht einem vom Stuhl und schon bald singen die Gäste spontan zu den lüpfigen und wohlbekannten Liedern mit.

Auch der «Kreativ-Teil» kommt nach anfänglicher Skepsis letztlich gut an. Nach dem Zufallsprinzip werden die Anwesenden in vier Gruppen eingeteilt und müssen gemeinsam ein Bild zu einem der vier Märchen zeichnen, malen, gestalten. Mitmachen kann, wer will. Und wer nicht will, kann alternativ die Zeit bis zum Zvieri wartend verbringen wie Lidia Dürrenmatt mit einem Augenzwinkern anbietet. «Das chunt nid guet» äussert sich eine Teilnehmerin genauso spontan wie überzeugt und bringt damit alle herzhaft zum Lachen. Doch tatsächlich überwinden fast alle die anfänglichen Hemmungen und schon bald wird an den Tischen nicht nur gezeichnet, gemalt und gestaltet, sondern vor allem auch diskutiert, geplaudert und gelacht. Es entstehen ganz unterschiedliche «Gemeinschaftswerke» - detaillierte Zeichnungen und grobe Skizzen, mit Farbstiften oder Malfarben gestaltet, mal impressionistisch und mal expressionistisch. Doch wichtiger als das Ergebnis und die eigentliche Hauptsache der ganzen Aufgabe ist der wunderbare Nebeneffekt, dass ganz neue Leute miteinander etwas erschaffen, dabei ins Gespräch kommen und sich kennenlernen.

Nach dem Zvieri gibt es einen zweiten «Märchenplausch». Schnell ist der Nachmittag vorbei und ein kurzweiliger, abwechslungsreicher und unterhaltsamer ü60-Anlass vorüber. Oder wie es im Märchen heissen würde: Und wenn sie nicht nachhause sind, dann lachen und plaudern sie noch heute…
Bereitgestellt: 12.04.2022     Besuche: 29 Monat