Islam zwischen Fronten - Ein Podiumsgespräch an der MPS Oberarth

Aufmerksame Zuhörer<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-arth-goldau.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>107</div><div class='bid' style='display:none;'>945</div><div class='usr' style='display:none;'>4</div>

Aufmerksame Zuhörer

Am Mittwoch 4. Februar führte das Religionsteam für die zweite Oberstufe der MPS Oberarth ein Podiumsgespräch durch. Grund boten die Anschläge von Paris und deren Hintergrund. Zu Gast waren Dr. Yahya Hassan Bajwa als Moslem und Pfr. Ugo Rossi von Goldau. Pfr. Urs Heiniger von der ref. Kirchgemeinde Arth-Goldau moderierte das Gespräch mit präzisen Fragen und strukturierte den Anlass mit kurzen Filmbeiträgen aus Rundschau und Club. Einige der Fragen wurden von Schülern schon im Vorfeld formuliert.
Urs Heiniger,
Das Gespräch sollte den Schülern Einblick geben in die Komplexität der heutigen Diskussion um Islam und islamistischen Terror. Und sie sollten zugleich erfahren können, wie sich das eigene Verhalten auf diese Auseinandersetzung auswirkt.
Dr. Bajwa (er leitet TransCommunication.info und ist im Vorstand der Grünen Schweiz) wies darauf hin, dass die grosse Mehrzahl der Muslime die Ereignisse von Paris in scharfer Form ablehnen. Und es sei manchmal schon mühsam, immer wieder aufzeigen zu müssen, dass der Islam eine friedliche Religion sei, die heute von wenigen Fanatikern missbraucht werde. In diesem Zusammenhang richtete Bajwa seinen Blick auf den Konflikt in Nordirland, wo sich zeigen liesse, dass jener Streit vor allem machtpolitischer Natur sei. Pfr. Ugo Rossi meinte, das Attentat von Paris hätte grosse Angst ausgelöst und das stimme ihn traurig. Ebenso beklemmend sei es natürlich, wenn Demonstrationen der anti-islamischen PEGIDA (Dresden) die Muslime unter Generalverdacht nähmen. Es sei nicht zu verkennen, dass sich die ganze Auseinandersetzung heute in einem islamfeindlichen Umfeld bewege.
Bajwa gab auch zu bedenken, dass die Pariser Attentäter in der französischen Gesellschaft unzureichend integriert gewesen seien. Das gelte für eine grosse Anzahl von Muslimen in Frankreich. Darin gebe die Schweiz ein weit besseres Beispiel für das Zusammenleben mit den rund 400‘000 muslimischen Einwohnern. Das entschuldige Gewalt aber in keiner Weise und es könne sich dabei auch niemand auf den Propheten Mohammed berufen, der Gewalt nur zur Verteidigung erlaube. Die eröffnende 1. Sure des Korans sage eindeutig, dass Allah der Gnädige und Barmherzige sei, was für unser Verhalten Menschlichkeit und Barmherzigkeit bedeute. Bajwa wies auch auf die Situation im Senegal hin, wo 95 % Moslems und 5% Christen von einem christlichen Präsidenten regiert würden, der damit Verantwortung für die ganze Bevölkerung übernehme. Das sei ein in Afrika anerkanntes Modell mit Vorbildcharak-ter.
Rossi betonte darauf, wie wichtig der Respekt gegenüber anderen Menschen und Religionen sei und meinte, dass die Gemeinsamkeiten des Glaubens nie vergessen werden dürfen. Gott teile sich dem Gott-suchenden Menschen durch Bibel und Koran mit. Aus solchem Respekt ergebe sich eine Nächstenliebe, die für Moslem wie Christen zentral in ihrem Leben sei. Das unterstrich eine präsentierte Szene aus einem Rundschau-Beitrag, in der eine Muslimin die Nächstenliebe als ihr Wichtigstes und übrigens zuhause Gelerntes bezeichnete.
Gegen Ende des Gesprächs umarmten sich Bajwa und Rossi herzlich. Die symbolische Ges-te brachte gut zum Ausdruck, dass das Gespräch einen respektvollen Charakter hatte. Auf-merksam folgten die Schülerinnen und Schüler den Darlegungen der Gesprächspartner und erlebten eine lebendige, im Kern sachliche Debatte. Im Nachgang sagten einige von ihnen, es sei eine spannende Sache gewesen und man dürfe nicht alle in den gleichen Topf werfen. Ein gelungener Morgen also, getragen von gegenseitigem Respekt.
Autor: Urs Heiniger     Bereitgestellt: 06.02.2015